Muss ein professionelles Korrektorat und Lektorat wirklich sein?

Fehlerfreie Bücher gibt es nicht. Aber Bücher, in denen es von Fehlern wimmelt oder in denen die Sprache holpert, müssen trotzdem nicht sein. In klassischen Verlagen sind dafür Korrektoren und Lektoren zuständig. Book on demand veröffentlichende Autoren müssen sich dagegen alleine um ein fehlerfreies Manuskript kümmern.

Am einfachsten ist es, sich einen freiberuflichen Korrektor oder Lektor zu suchen. Umgangssprachlich werden beide Tätigkeiten häufig in einen Topf geworfen. Tatsächlich gibt es zwar Berührungspunkte und Überschneidungen, doch die Unterschiede sind größer:

  • Korrektoren überprüfen Texte auf das Einhalten orthographischer, grammatikalischer und typografischer Vorgaben.
  • Lektoren prüfen und überarbeiten Manuskripte inhaltlich und sprachlich.
  • Viele book on demand veröffentlichende Autoren sprechen von einem Lektorat, meinen aber ein Korrektorat. Ein klassisches Lektorat wäre angesichts der zu erwartenden Einnahmen für viele Autoren auch gar nicht zu finanzieren.

    Aufwendig und teuer: das Lektorat.

    Im Mittelpunkt eines Lektorats steht nicht die Suche nach Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehlern, sondern die Beurteilung des Inhaltes und des Erzählstils. Stimmt die Logik oder gibt es Logikfehler, ist die Geschichte verständlich erzählt, gibt es Semantikfehler, wird die Intention des Autors deutlich? Häufig werden gewünschte Veränderungen gemeinsam mit dem Autor erarbeitet.

    Da diese Arbeit sehr viel Wissen und Erfahrung voraussetzt, ist ein Lektorat nicht gerade billig. Der Verband Freier Lektorinnen und Lektoren (VFLL) nennt in seinen Honorarempfehlungen einen Stundensatz ab 40 Euro oder einen Seitenpreis ab 5 Euro pro Normseite.

    Natürlich halten sich keineswegs alle Lektoren an die Honorarempfehlungen des VFLL. Doch auch Lektoren müssen leben. Unter Umständen werden niedrigere Preise durch weniger gründliches Lektorieren ausgeglichen.

    Familienmitglieder und Freunde sind in der Regel als Lektoren ungeeignet, weil ihnen sowohl die unabdingbare Distanz zum Autor als auch die notwendige Lektoratserfahrung fehlt.

    Viele freiberufliche Lektoren bieten als Alternative ein sogenanntes „kleines Lektorat“ an. Auf eine grundlegende Überprüfung des Aufbaus und der Struktur eines Textes wird hierbei verzichtet. Das kleine Lektorat beschränkt sich vielmehr auf den Satzbau und die Formulierungen – und stellt damit für manche Autoren einen bezahlbaren Ausweg dar.

    Häufig bieten auch andere Autoren und Lehrer ihre Dienste an. Ihre Preise sind oft günstiger, da sie vom Lektorieren nicht leben müssen. Leider tummeln sich unter ihnen auch schwarze Schafe.

    Da Stundensätze für den Autor ein großes Risiko darstellen, rechnen manche Lektoren sie auf Seitenpreise um – und übernehmen damit ihrerseits ein erhebliches Risiko. Je aufwendiger das gewünschte Lektorat ist, desto schwieriger lassen sich Seitenpreise jedoch kalkulieren.

    Eine sehr gute Hilfe, worauf bei der Suche nach einem Lektor und der Vertragsgestaltung geachtet werden sollte, hat die Texterin und Lektorin Julia Dombrowski unter der Überschrift „Dann klappt’s auch mit dem Lektorat!“ online gestellt.

    Preiswerter, aber unverzichtbar: das Korrektorat.

    Leichter in den Griff zu bekommen ist der Fehlerteufel. Auch wenn von den Rechtschreibhilfen der Textverarbeitungsprogramme keine Wunder erwartet werden dürfen, für einen ersten Korrekturdurchgang sind sie immer geeignet. Vor allem Buchstabendreher lassen sich mit ihnen nahezu vollständig vermeiden.

    Darüber hinausgehende Fehlermeldungen sollten allerdings gut geprüft werden. Nicht jedes als falsch markierte Wort ist tatsächlich falsch geschrieben. Um ein Nachschlagewerk wie den Duden oder den Wahrig kommt kein Autor herum.

    Tückischer sind allerdings die von den Rechtschreibprogrammen nicht erkannten Fehler. Sie können grundsätzlich nur durch sorgfältiges Korrekturlesen gefunden werden.

    Ebenso kritisch sind Grammatik- und Zeichensetzungsfehler. Weder Word noch Open Office bieten bislang eine auch nur halbwegs zuverlässig arbeitende Grammatikprüfung. Sehr viel bessere Ergebnisse erzielt der Duden-Korrektor aus dem Duden-Verlag. Mit ihm lassen sich gleichermaßen Rechtschreibung wie Zeichensetzung, Grammatik wie Silbentrennung kontrollieren. Die Erkennungsrate ist erfreulich hoch. Um das Korrekturlesen kommt man jedoch trotzdem nicht herum.

    Am sinnvollsten ist es, diese Aufgabe einem Menschen zu übertragen, der das Manuskript noch nicht kennt. Als Autor kennen Sie Ihr Buch in- und auswendig; auch wenn Sie noch so sorgfältig Korrektur lesen: Sie wissen, was Sie schreiben wollten – und lesen deshalb unter Umständen nicht, was Sie tatsächlich geschrieben haben.

    Ein Korrektorat kostet deutlich weniger als ein Lektorat. Der VFLL nennt in seinen Honorarempfehlungen einen Stundensatz ab 30 Euro. Entsprechend niedriger liegen auch die Preise je Normseite. Unter guten Korrektoren gilt übrigens ein Fehler auf 6000 Anschläge als noch akzeptabel.

    Auch hier gilt, dass die Preisempfehlungen des VFLL häufig von Lehrern und Autoren unterboten werden, die sich nebenberuflich als Korrektoren betätigen. Ebenso sind schwarze Schafe nicht ausgeschlossen.

    Da Stundensätze, wie gesagt, für Autoren ein erhebliches Risiko darstellen, werden auch sie in der Praxis häufig auf einen Seitenpreis umgerechnet. Das Risiko trägt dann alleine der Korrektor.

    Auch wenn es in „Dann klappt’s auch mit dem Lektorat!“ ums Lektorieren geht, sinngemäß gelten Julia Dombrowskis Empfehlungen auch für das Korrektorat.

    Am preiswertesten ist es natürlich, wenn sich im Freundes- und Bekanntenkreis Menschen mit überdurchschnittlichen Kenntnissen in Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung finden. Leicht wird allerdings der Aufwand unterschätzt – und dann unter Zeitdruck nur noch oberflächlich korrekturgelesen.

    Trotz Korrektorats oder Lektorats noch Fehler im Text?

    Da in Foren immer wieder von empörten Autoren zu lesen ist, in deren Texten auch nach dem Korrekturlesen oder Lektorieren noch Fehler zu finden sind, sei hier noch einmal ausdrücklich betont: Wirklich fehlerfreie Texte gibt es nicht.

    Professionelle Korrektoren und Lektoren schreiben das häufig auch in ihre Verträge. Doch nicht immer werden schriftliche Verträge geschlossen. Ganz unabhängig davon sollten Autoren aber realistisch bleiben. Wer weniger als einen Fehler pro 6000 Anschläge wünscht, kommt um mehrere Korrekturdurchgänge nicht herum. Und die kosten nun einmal Zeit und damit auch Geld.

    Sie möchten Ihr Manuskript gerne fachgerecht korrigieren oder lektorieren lassen? Gerne können Sie mir eine schicken. Ich unterbreite Ihnen dann ein individuell auf Ihre Bedürfnisse abgestimmtes Angebot.