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Deutschland

Blühende Griese Gegend.

Wo Raubritter Priebe Heinrich dem Löwen Paroli bot.

Anheimelnde Backstein- und Fachwerkhäuser bestimmen auch heute noch das Bild der Städtchen und Dörfer der Griesen Gegend im Westen Mecklenburgs. Ausgedehnte Kiefernwälder, sanfte Hügel, großflächige Wiesen und Äcker, träge dahinfließende Gräben und kleine Moore prägen das Land zwischen Elde und Sude. Von den einst weiträumigen Heideflächen künden heute allerdings nur noch Orts- und Flurnamen wie Heidehof, Pichersche Heide, Ludwigsluster Heide, Nachbarsheide, Eldenaer Heide, Heidhof, Heiddorf und Pumpelheide. Heide ist selten geworden, seit die Schafherden auf Restbestände schrumpften und Feuchtbiotope wie Trockenheiden der Melioration zum Opfer fielen.

War es die graue Farbe des vorherrschenden Sandbodens oder der ungefärbten Leinenkleider der Tagelöhner, die dem Land im äußersten Westen Mecklenburgs ihren Namen gab? Endgültig wird sich die Frage wohl nicht mehr beantworten lassen. Eines allerdings ist die Griese Gegend mit Sicherheit nicht: grau oder gries, obwohl die einst ärmste Region des Herzogtums Mecklenburg-Schwerin auch heute mit erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat.

Dörfer wie Glaisin, Laupin, Bresegard, Grebs, Wöbbelin oder Woosmer blühen sichtbar wieder auf. Häßliche Plattenneubauten sind selten, die meisten Dörfer haben sich ihren über Jahrhunderte gewachsenen dörflichen Charakter bewahren können. Stärker gelitten haben Ludwigslust und einige Städtchen am Rande der Griesen Gegend.

Abrundungs- und Gestaltungssatzungen sollen zukünftige Fehlentwicklungen verhindern. Typisch für viele Dörfer ist der freie Durchblick zwischen den Hofanlagen, sagt Glaisins Bürgermeister Jürgen Behrends. Typisch und ein beliebtes Fotomotiv der Urlauber sind ebenso die Klumphäuser, jene niederdeutschen Hallenhäuser, deren Fachwerk mit an Schlacke oder Lavagestein erinnernden, aus den umliegenden Mooren gewonnenen braunschwarzen Raseneisensteinen ausgefüllt ist. Auch die beiden Türme der Stadtkirche und des Friedhofes in Ludwigslust sind mit ihnen verkleidet worden.

Ein für die Gegend typisches Klumphaus
Ein für die Gegend typisches Klumphaus

Ab Mai oder Juni, hofft Jürgen Behrends, kann im alten Backhaus an Wochenenden wieder Brot gebacken und zum Kauf angeboten werden. Länger wird es dagegen noch dauern, bis der eindrucksvolle Forsthof von 1875 wieder vollständig hergerichtet ist.

Zwei Persönlichkeiten hat Glaisin beherbergt. An den Dorfschullehrer Johannes Gillhoff und seinen Briefroman „Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer“ über das Schicksal von Not und Elend aus Mecklenburg vertriebener Tagelöhner erinnert eine Ausstellung in der alten Schule. An Hermann Priebe und seine Burg, die eine der mächtigsten Raubritterburgen Mecklenburg-Schwerins gewesen sein soll, erinnern dagegen kaum noch zu erkennende Spuren des Burggrabens. Erst nach halbjähriger Belagerung konnte 1298 ein Heer Heinrich des Löwen, unterstützt durch ein Kontingent der Stadt Lübeck, die Priebeburg erobern und zerstören.

Während in den Dörfern gehungert wurde, gefielen sich die Landesherren im Prunk. Zwar sind nach jahrzehntelanger Zweckentfremdung für die Kreisverwaltung erst einige Säle des Ludwigsluster Schlosses museal hergerichtet und zur Besichtigung freigegeben worden, doch insbesondere der Goldene Saal legt beeindruckend Zeugnis ab von herzoglicher Pracht in Mecklenburg-Schwerin. Manches allerdings ist auch nur schöner Schein: Hinter den vergoldeten Schmuckelementen, Ziervasen und Büsten versteckt sich zumeist nur Papiermaché. In alter Schönheit wiedererstanden sind Kavalierhaus, Spritzenhaus, Fontänenhaus und Marstall des mecklenburgischen Versailles, weiter auf ihre Restaurierung warten müssen die imposante, an einen griechischen Tempel erinnernde Stadtkirche und das Schweizerhaus.

Am besten erkunden läßt sich das Land zwischen Elde und Sude zu Fuß oder mit dem Fahrrad. An markierten Rad- und Fußwanderwegen mangelt es nicht mehr, wohl allerdings mancherorts an der Markierung. Beeindruckend sind die bis zu 28 Meter hohen Binnenland-Wanderdünen zwischen Klein und Groß Schmölen, überraschend die botanische und geologische Vielfalt des Wanzeberges, von der Hans Joachim Bötefür interessierten Besuchern seiner Heimatkundlich-geologischen Sammlung in Kaliß stundenlang zu erzählen weiß.

Veröffentlicht 1995

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